Mitsukurina owstoni · Tiefseehai
Koboldhai: ein Hai mit vorschießenden Kiefern
Die lange, flache Schnauze und die vorstreckbaren Kiefer machen den Koboldhai unverwechselbar. Auf Fotos mit weit geöffnetem Maul sieht man häufig einen Fangmoment, nicht sein dauerhaftes Gesicht. Er lebt in tiefem Wasser, weit entfernt von den üblichen Badegebieten.

Was für ein Tier ist der Koboldhai?
Mitsukurina owstoni ist ein Hai und der einzige heute bekannte lebende Vertreter seiner Familie. Die Art gehört zu den Makrelenhaiartigen, hat aber einen eigenen Körperbau. Schaufelförmige Schnauze, schlanker Körper und lange spitze Zähne unterscheiden sie von den vertrauten Küstenhaien.
Vieles, was wir wissen, stammt von Fängen und Museumsexemplaren. Außerhalb des Wassers ändern sich Haltung und weiche Gewebe. Ein Präparat zeigt anatomische Einzelheiten, darf aber nicht mit einer vollständigen Beobachtung eines lebenden Tieres in seiner Umgebung verwechselt werden.
Wozu braucht er Schnauze und Kiefer?
Unter der Schnauze liegen viele Poren, die zu elektrosensiblen Organen führen. Mit ihnen kann der Hai schwache elektrische Signale anderer Tiere wahrnehmen. Bei wenig Licht hilft ihm das vermutlich, Beute in der Nähe zu erkennen. Die Schnauze ist also vor allem ein Sinnesorgan.
Beim Zupacken schnellen die Kiefer weit nach vorn und ziehen sich anschließend wieder zurück. Untersuchungen dieser Bewegung beschreiben einen besonders schnellen Vorstoß. Das spektakuläre Foto eines hervorstehenden Mauls zeigt einen Augenblick der Jagd, nicht die gewöhnliche Ruhehaltung.
Wo lebt er, was frisst er und ist er gefährlich?
Funde sind aus verstreuten Gebieten des Atlantiks, Indischen Ozeans und Pazifiks bekannt. Meist handelt es sich um tiefes Wasser an Kontinentalrändern und Hängen. Beobachtungen sind selten, weil dieser Lebensraum schwer zu untersuchen ist. Aus wenigen Fotos lässt sich keine genaue Größe der Weltpopulation ableiten.
Untersuchte Mageninhalte enthielten unter anderem Fische, Kalmare und Krebstiere. Kiefer und Zähne dienen diesen Beutetieren, nicht der Jagd auf Menschen. Der Koboldhai lebt weit unterhalb gewöhnlicher Tauch- und Badegebiete und gilt nicht als praktische Gefahr für Personen.
Ist der Koboldhai bedroht?
Die globale Einstufung lautet derzeit nicht gefährdet. Einzelne Tiere geraten in Tiefseefischereien als Beifang, weshalb die Nutzung tiefer Meeresgebiete dennoch wichtig bleibt. Eine seltene Sichtung allein ist kein Beweis für einen Rückgang der Art.
Bei schwer beobachtbaren Tieren müssen Unsicherheit und tatsächliche Daten getrennt bleiben. Wer den Koboldhai nur wegen seiner Zähne für ein Monster hält, übersieht die sorgfältig aufeinander abgestimmten Sinnes- und Fangwerkzeuge dieses Tiefseeräubers.
Warum er zu den hässlichen Tieren zählt
Schnauze und vorgeschobene Kiefer können auf einem Fangfoto erschrecken. Im tiefen Meer helfen sie, Beute wahrzunehmen und zu erreichen.