Daubentonia madagascariensis · Nachtaktiver Lemur
Fingertier: ein Lemur, der Holz abhört
Das Fingertier ist ein nachtaktiver Lemur aus Madagaskar. Seine großen Ohren, ständig nachwachsenden Schneidezähne und der dünne Mittelfinger arbeiten bei der Nahrungssuche zusammen. Es sieht ungewöhnlich aus, gehört aber eindeutig zu den Primaten.

Was ist ein Fingertier?
Daubentonia madagascariensis ist ein Lemur und damit ein Primat, kein Nagetier. Seine auffälligen Schneidezähne erinnern zwar an Nager, doch Verwandtschaft lässt sich nicht allein an Zähnen erkennen. Das Fingertier ist der einzige heute lebende Vertreter seiner Familie.
Tagsüber ruht es in Nestern aus Blättern und Zweigen; nachts bewegt es sich durch Bäume und sucht Nahrung. Es kommt in mehreren Waldtypen Madagaskars vor, auch in Sekundärwäldern. Ein einzelnes Porträt zeigt weder die Bewegungen noch die Geräusche, die zu seiner Nahrungssuche gehören.
Warum ist der Mittelfinger so dünn?
Das Tier klopft mit dem dritten Finger rasch auf Äste und lauscht auf veränderte Schwingungen. Ein Hohlraum unter der Rinde kann auf Insektenlarven hinweisen. Die großen Ohren helfen beim Hören. Der Finger ist kein krankhaft verkümmerter Körperteil, sondern ein hochbewegliches Werkzeug.
Hat das Fingertier eine Stelle gefunden, nagt es mit den vorderen Zähnen ein Loch und führt den Finger hinein. Mit der flexiblen Spitze zieht es die Larve heraus. Auch an Früchten und Samen kann der Finger nützlich sein. Gehör, Zähne und Tastbewegung bilden eine zusammenhängende Suchtechnik.
Was frisst es, und was bedroht es?
Holzbewohnende Insektenlarven sind eine wichtige Nahrung. Das Angebot ändert sich jedoch mit Ort und Jahreszeit; auch Samen, Nüsse, Früchte und andere Pflanzenteile werden gefressen. Die Art lässt sich weder als reiner Früchtefresser noch als ausschließlich larvenfressend beschreiben.
Das Fingertier gilt als stark gefährdet. Waldverlust und Zerschneidung von Lebensräumen erschweren Nahrungssuche und Fortpflanzung. Hinzu kommen örtlich Konflikte mit Anbauflächen und das Töten einzelner Tiere. Seine ungewöhnliche Gestalt ist nicht die Gefährdung, sondern oft der Anlass, warum Menschen überhaupt nach ihm fragen.
Warum finden manche Menschen es hässlich?
Dünner Finger, große Augen und sichtbare Zähne entsprechen kaum dem vertrauten Bild eines rundgesichtigen Lemurs. Dieses menschliche Bild sagt wenig über die Aufgaben der Körperteile aus. Die großen Sinnesorgane und der Finger gehören zu einem nachtaktiven Spezialisten.
Auch der Sternmull trägt ein auffälliges Sinnesorgan, sucht Beute aber in feuchter Erde und im Wasser. Das Fingertier hört auf Holz. Der Vergleich zeigt, warum ähnliche Reaktionen auf ein Gesicht keine gleiche biologische Erklärung liefern.
Warum es zu den hässlichen Tieren zählt
Finger und Zähne wirken auf den ersten Blick fremd. Beim Nahrungserwerb ergänzen sie sich zu einem präzisen Werkzeug, das versteckte Beute erreicht.